Achtsamkeit bei ADHS und Autismus: Ein kleiner Schritt zu mehr Ruhe

Eine Frau sitzt auf einer Wiese voller Löwenzahn im Shneidersitzt und schaut in den blauen Himmel.
Lesedauer 4 Minuten

Wenn du ADHS oder Autismus hast (oder jemanden kennst, der neurodivergent ist), weißt du wahrscheinlich, wie herausfordernd es sein kann, den Kopf zur Ruhe zu bringen. Die Welt kann chaotisch und überwältigend wirken, und die vielen Reize führen oft dazu, dass innere Unruhe entsteht. Achtsamkeit, ein Ansatz, der den Fokus auf das Hier und Jetzt lenkt, kann ein Weg sein, um Ruhe in den Alltag zu bringen – ohne dass du stundenlang meditieren musst. Es geht um kleine Momente, die dir helfen, mit dir selbst achtsamer umzugehen.

Aber lass uns ehrlich sein: Achtsamkeit klingt manchmal wie ein großes Wort, oder? Vielleicht hast du das Bild von jemandem im Kopf, der in einem stillen Raum im Schneidersitz sitzt und meditiert. Das ist zwar schön und gut, aber in der Realität des Alltags mit ADHS oder Autismus fühlt sich das oft unerreichbar an. Keine Sorge, Achtsamkeit bedeutet nicht immer, stillzusitzen. Du kannst sie flexibel an deine Bedürfnisse anpassen, selbst wenn du dich unruhig fühlst.


Was ist Achtsamkeit und warum ist sie für ADHS und Autismus hilfreich?

Achtsamkeit bedeutet, sich bewusst auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren, ohne ihn zu bewerten. Du achtest auf deine Umgebung, deine Gedanken, deine Emotionen – und lässt sie einfach da sein. Klingt einfach, aber gerade bei ADHS und Autismus kann das eine echte Herausforderung sein. Der Geist springt von einem Gedanken zum nächsten, und es kann schwer sein, den Fokus zu halten.

Warum also Achtsamkeit? Für Menschen mit ADHS und Autismus kann sie besonders hilfreich sein, weil sie dabei unterstützt, sich zu erden und aus den gedanklichen Spiralen auszubrechen. Du lernst, wie du deine Aufmerksamkeit lenken kannst, anstatt von deinen Gedanken überrollt zu werden. Das kann helfen, Stress abzubauen und insgesamt gelassener auf Reize zu reagieren.


Body-Scan-Meditation: Den eigenen Körper spüren

Der Body-Scan ist eine großartige Möglichkeit, um mit dir selbst in Kontakt zu kommen, wenn du dich unruhig fühlst oder Schwierigkeiten hast, dich zu konzentrieren. Hierbei wanderst du in Gedanken durch deinen Körper und achtest auf die Empfindungen in verschiedenen Körperteilen – von Kopf bis Fuß.

Das Beste daran? Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg, das zu machen. Es geht einfach nur darum, dich selbst zu spüren. Du kannst diese Übung im Sitzen, Liegen oder Stehen machen, je nachdem, was sich gerade für dich richtig anfühlt.
Wenn dir mentale Übungen aufgrund innerer Unruhe schwerfallen, kann der Body-Scan eine tolle Alternative sein. Du fokussierst dich auf etwas ganz Konkretes – deinen Körper – und lenkst so die Aufmerksamkeit weg von den vielen Gedanken, die dir vielleicht durch den Kopf schwirren.

Mein persönlicher Tipp: Wenn ich mich sehr gestresst fühle und meine Gedanken wie ein Wirbelsturm umher kreisen, hilft mir der Body-Scan, um wieder ein Gefühl der Ruhe zu finden. Es muss nicht lange dauern, und manchmal reicht es, nur einige Minuten durch meinen Körper zu gehen, ohne zu sehr in die Tiefe zu gehen. Diese Übung ist für mich besonders hilfreich, wenn ich merke, dass mir alles zu viel wird. Wenn du eine angeleitete Version probieren möchtest, kann ich diese empfehlen.

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Achtsames Gehen: Die Erde unter den Füßen spüren

Wenn stilles Sitzen oder Liegen nichts für dich ist, probier doch mal achtsames Gehen aus! Das ist eine wunderbare Möglichkeit, Achtsamkeit zu praktizieren, ohne still sitzen zu müssen. Besonders bei ADHS, wenn du oft das Bedürfnis hast, in Bewegung zu bleiben, kann achtsames Gehen eine willkommene Abwechslung sein.

Beim achtsamen Gehen geht es darum, deine Schritte, deinen Körper und deine Umgebung bewusst wahrzunehmen. Wie fühlt sich der Boden unter deinen Füßen an? Welche Geräusche hörst du? Wie bewegt sich dein Körper bei jedem Schritt? Der Clou dabei ist, dass du immer wieder zum Hier und Jetzt zurückkommst, auch wenn dein Geist abdriftet.

Meine Erfahrung: Ich gehe fast täglich durch Parks, weil mir die Natur hilft, den Kopf freizubekommen. Natürlich schweife ich auch oft ab – aber das gehört dazu! Wichtig ist, dass ich mich nicht verurteile, sondern einfach immer wieder versuche, meine Aufmerksamkeit zurück auf meine Schritte und die Umgebung zu lenken. Diese kleinen Momente, in denen ich wirklich da bin, sind wie kleine Pausen für meinen Kopf.


Achtsamkeit im Alltag integrieren

Achtsamkeit bedeutet nicht, dass du stundenlang meditieren musst. Es geht vielmehr darum, kleine Momente der Achtsamkeit in deinen Alltag einzubauen. Es kann etwas so Einfaches sein wie das bewusste Wahrnehmen deiner Umgebung, wenn du morgens deinen Kaffee trinkst, oder das Beobachten deines Atems, während du an der Ampel stehst.

Mein Tipp: Ich habe nicht die Zeit – oder die Geduld – jeden Tag ewig zu meditieren. Aber ich habe gelernt, dass es völlig okay ist, die kleinen Momente zu nutzen. Zum Beispiel, wenn ich gerade den Abwasch mache und merke, dass meine Gedanken schon wieder in alle Richtungen laufen, erinnere ich mich daran, einfach mal durchzuatmen und den Moment zu spüren. Manchmal reicht schon ein kurzer Atemzug, um mich wieder ins Hier und Jetzt zu holen.


Tipps, um dranzubleiben

Achtsamkeit kann anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sein, besonders wenn dein Geist schnell abschweift – was bei ADHS ja nichts Neues ist. Aber das ist okay. Es geht nicht darum, perfekt zu sein, sondern freundlich mit dir selbst umzugehen.

Hier sind ein paar Tipps, die dir helfen können, dranzubleiben:

  • Kleine Schritte: Fang mit kurzen Achtsamkeitsübungen an, die du einfach in deinen Alltag integrieren kannst. Selbst zwei Minuten können schon einen Unterschied machen.
  • Freundlichkeit mit dir selbst: Sei nicht zu streng mit dir, wenn du abschweifst. Das passiert jedem! Der Trick ist, einfach immer wieder zurückzukehren, ohne sich selbst zu verurteilen.
  • Nutze Routinen: Verbinde Achtsamkeit mit alltäglichen Routinen wie Zähneputzen, Gehen oder Kochen. So wird es zu einem Teil deines Alltags, ohne dass es zusätzlichen Aufwand bedeutet.

Fazit: Achtsamkeit als kleiner Schritt zu mehr Ruhe

Achtsamkeit ist kein Wundermittel, aber sie kann ein kleiner Schritt zu mehr Ruhe und Klarheit im Alltag sein. Gerade bei ADHS und Autismus, wo die Gedanken oft springen und Reize überwältigend sein können, bieten diese Techniken eine Möglichkeit, den Geist zu beruhigen. Und das Beste ist: Es gibt kein richtig oder falsch. Du kannst Achtsamkeit so praktizieren, wie es für dich am besten passt – in kleinen, machbaren Schritten.

Wenn du deine eigenen Strategien entwickeln möchtest, um dich im Akutfall regulieren zu können, melde dich zum alltagsnavi-Newsletter an und erhalte das Workbook Notfall-Listen zur Entspannung.

Andere Entspannungsart gefällig?

Probier es doch mal mit Atemübungen. Mehr dazu findest du im Blogartikel.

Soforthilfe gegen’s Aufschieben

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Kurz & wichtig: Kein Ersatz für Therapie!

Ich teile hier Erfahrungen, Ideen und Tools, die dir den Alltag erleichtern können – vor allem bei ADHS, Autismus und Co.
Aber: Ich bin keine Therapeutin, Ärztin oder Fachperson. Meine Inhalte und Beratungen ersetzen keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Haftungsausschluss (Disclaimer)

Wenn du in einer akuten Krise steckst oder professionelle Hilfe brauchst, wende dich bitte an Fachleute oder eine passende Anlaufstelle. Einige Hilfsangebote findest du hier.
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